Der saudiarabische Geistliche Rahman al-Barrak hat in einer Fatwa zwei Journalisten zum Tode verurteilt. In dem religiösen Gutachten nannte er als Grund, Abdullah bin Bijad al-Utaibi und Yusuf Abu al-Khail hätten in der Zeitung "Al-Riyad" die Meinung vertreten, dass Anhänger anderer monotheistischer Religionen, nicht als "Ungläubige" bezeichnet werden sollten, berichtet die spanische "El Pais".
Die beiden Journalisten müssten bereuen, andernfalls müssten sie als vom Islam Abgefallene hingerichtet werden. Sie hätten zudem kein Recht auf Trauerrituale bei ihren Begräbnissen, so Barrak in seiner Fatwa. Der Geistliche ist überzeugt, im Einklang mit dem Wahhabismus zu handeln, der in Saudi-Arabien herrschenden extrem strengen Glaubensrichtung des sunnitischen Islam.
Barrak gilt als der einflussreichste unabhängige Geistliche in dem Wüstenkönigreich. Dessen Presse hat die Fatwa bis jetzt nicht aufgegriffen, Berichte darüber kursieren aber in zahlreichen islamistischen Websites. Die saudi-arabischen Religionsbehörden, allen voran Großmufti Abdelaziz al-Sheikh, schwiegen bisher zu den Todesdrohungen.
Die betroffenen Journalisten gingen aber in die Gegenoffensive. Die Fatwa sei aus der "Finsternis" entstanden. Sie würden sich dadurch nicht verbieten lassen, ihre Meinung zu äußern. Zudem kündigten Bin Bijad und Khail ihrerseits eine Klage gegen Barrak wegen dessen Todesdrohungen an. Hunderte arabische Intellektuelle haben sich inzwischen mit den Journalisten solidarisiert. In einer Unterstützungserklärung nannten sie Barrak einen Obskurantisten, der "intellektuellen Terrorismus" betreibe.
Doch auch Barrak erhielt Unterstützung, so von rund 20 saudi-arabischen Geistlichen. Barrak hat bereits eine Reihe anderer berühmt-berüchtigter Fatwas verfasst. In einer beschuldigt er die Schiiten der "Häresie", in einer anderen forderte er dazu auf, wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen dänische Funktionäre zu ermorden und deren Frauen zu versklaven.
Quelle: http://www.kleinezeitung.at |