Quelle:
http://www.region-muenchen.de
Der katholische Sender Radio Horeb hat in München eine freie Hörtunkfrequenz erhalten. Im Vorfeld wurde diese Absicht selbst in Kirchenkreisen heftig kritisiert. "Fundamentalistisch" und "sehr einseitig" nannte der Sendlinger Pfarrer Klaus Mucha den Sender gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Mucha ist seit 34 Jahren für die Hörfunkbeiträge der katholischen Erzdiezöse München und Freising im Bayerischen Rundfunk zuständig. Ebenso hat Anke Geiger, die für die evangelischen Frauenorganisationen in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) sitzt, die positive Vorentscheidung des Hörfunkausschusses der BLM zugunsten von Radio Horeb kritisiert. Sie unterstellt dem Sender "Frauenfeindlichkeit“
Der Medienrat hat auf seiner Sitzung am 27. Mai 2004 entschieden, dass der Privatsender die Sendefrequenz im erhält.
Selbst der Pressesprecher des Erzbistums, Winfried Röhmel, hält sich in einem Gespräch mit dem katholischen Tagesspiegel bedeckt. Für ihn stellt Radio Horeb "einen Ausschnitt des Katholischen dar, nicht die gesamte Bandbereite." Wenn der Sender aus Balderschwang im Allgäu einen Schritt aus seiner "Nische" wage, müsse er beweisen, ob er die "notwendige Professionalität und katholische Offenheit' mitbringe, um in einer breiteren Öffentlichkeit zu bestehen.
Inzwischen ist auch noch der Vorwurf des Rassismus dazugekommen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die BLM in einem Prüfbericht feststellte, dass in Hörerbeiträgen rassistische, Äußerungen gemacht wurden, ohne dass die Moderatoren einschritten. Es wurde zur Umkehr mit Gottes Hilfe aufgerufen, bevor "wir als weiße Rasse abgedankt haben". Sonst würden die Farbigen "über uns kommen." Die BLM schreibt in dem internen Bericht auch, dass eine katholische Referentin die Sexualität in die Nähe des Teufels gerückt habe.
Im Medienrat hat sich der Chef der Münchner Staatskanzlei, Minister Erwin Huber, besonders für die Zulassung von Radio Horeb in München auf der Frequenz 92,4 eingesetzt.
Die TAZ berichtet über Radio "Horeb"
Gotteskampf on air
In München hat das fundamentalistisch-katholische Radio Horeb eine der beliebteste Frequenzen ergattert
Sexualität hat etwas Teuflisches. Dass an Schulen gelehrt wird, Homosexualität sei normal, ist unnormal. Kinder sollten sich der heiligen Maria Mutter Gottes hingeben. Zwei Tage hat die Bayerische Landesmedienzentrale (BLM) den katholischen Sender Radio Horeb aus dem Allgäu abgehört - das reichte, um erstaunliche Programminhalte zu protokollieren. Abgesehen von den Aufwallungen der Moderatorinnen dürfen Anrufer einen Gotteskampf für den Erhalt der weißen Rasse fordern und Farbige sowie Sinti und Roma beschimpfen. Und trotz des Prüfberichts hat der Medienrat der BLM entschieden, dass der Sender sein Programm demnächst täglich auf einer der beliebtesten Radiofrequenzen in München senden darf. Werktags von 0 bis 16 Uhr und sonntags sogar von 0 bis 6 Uhr und von 10 bis 18.30 Uhr darf Horeb auf UKW 92,4 seine Botschaft verkünden.
Der Hörfunkausschuss der BLM hatte schon vor zwei Wochen eine Empfehlung für Radio Horeb ausgesprochen. Nicht einstimmig - selbst die Vorsitzende, Anke Geiger, kritisierte das rückständige Frauenbild des Senders. Und der katholische Pfarrer Klaus Mucha nannte Radio Horeb "fundamentalistisch". Das brachte Amtskollege Richard Kocher auf die Palme, der für das Horeb-Programm verantwortlich ist: "Dieses Wort in den Mund zu nehmen ist infam, ein Totschlagargument."
Kocher hatte prominente Fürsprecher: den CSU-Staatsminister Erwin Huber etwa. Er zeigte sich besorgt, dass "ein religiös orientierter, katholischer Sender im christlichen Bayern keinen Platz finden könnte". Möglicherweise aus persönlichen Gründen. Angeblich, spottete der Münchner Merkur, lasse sich Hubers Frau gerne von Radio Horeb erbauen.
JÖRG SCHALLENBERG
taz Nr. 7369 vom 28.5.2004, Seite 17
Mitarbeiter von Radio Horeb
Nummer 12 / 2000
Mörder auf der Flucht
Balderschwang/Brescia (Italien).
Dr. Peter Paul Rainer, Politiker der Südtiroler »Freiheitlichen«, ehemals Mitglied der Bundesleitung des Südtiroler Schützenverbandes und früher Südtirol-Redakteur der FPÖ-Zeitung »Neue Freie Zeitung«, ist in einem Gerichtsverfahren vor dem Oberlandesgericht Brescia erneut wegen Mordes und illegalen Waffenbesitzes erurteilt worden.
Das Gericht verurteilte Rainer, der zuvor von einem Kassationsgericht in Rom freigesprochen worden war, zu einer Gefängnisstrafe von 20 Jahren und 6 Monaten. Rainer war bei diesem Prozess nicht zugegen. Seine Eltern schoben eine Magenverstimmung vor.
In Wirklichkeit befand sich Rainer zu diesem Zeitpunkt schon auf der Flucht. Bis zum Prozessbeginn hatte der Theologe unter dem Pseudonym »Dr. Rainer Maria Ulrich« beim katholischen Sender »Radio Horeb« in Balderschwang/Oberallgäu als Radioredakteur gearbeitet. Rainer wohnte dort in dem Haus des Programmverantwortlichen des Senders, Pfarrer Richard Kocher, der in diese Funktion vom Augsburger Bischof Viktor Josef Dammertz eingesetzt worden war.
»Radio Horeb/Radio Neues Europa«, das von der »Internationalen Christlichen Rundfunkgemeinschaft e.V.« betrieben wird, bezeichnet sich »Sender in der katholischen Kirche, nicht von der katholischen Kirche« mit dem Ziel der »Ausbreitung und Festigung des Gottesreiches«. Ausgestrahlt werden dort zahlreiche Sendungen von »Radio Vatikan«, Programmbeiträge von Amtsinhabern der katholischen Kirche sowie von sog. »Lebensschützern« wie Christa Meves und Siegfried Ernst. Zu Wort kommen in »Radio Horeb« auch Politiker der CSU.
Der Gerichtspräsident von Brescia, Enzo Plate, erließ nach der Urteilsverkündung einen internationalen Haftbefehl gegen Rainer »wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr«.
Rainer habe fortgesetzten Kontakt zu »ultranationalen, extremistischen Kreisen im Ausland«, die ihn versteckt haben könnten.
Im Hause Richard Kochers von »Radio Horeb« wurde Rainer bislang nicht gefunden. Beim zuständigen Einwohnermeldeamt war der Südtiroler, der seit August 1999 in Balderschwang wohnte, polizeilich nicht gemeldet gewesen. »Radio Horeb« ist, so die Wochenzeitung »Junge Freiheit«, »als Mitglied der Radio-Maria-Familie in einem weltweiten Netzwerk, das sich über fünfzig Länder erstreckt ....«.
|