Am 16. April 1998 wird der evangelisch-lutherische Pfarrer Klaus Geyer aus Beienrode bei Braunschweig wegen Totschlags an seiner Ehefrau Veronika Geyer-Iwand zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Verurteilung erfolgt aufgrund zahlreicher schwerwiegendster Indizien: von einer zertretenen Ameise an der Schuhsohle des Pfarrers (eine sehr seltene Art, die nur am Tatort gefunden wurde) über nachgewiesene Lügen (ein Telefonat führte der Pastor aus einer Telefonzelle in der Nähe des Tatortes, was er solange bestritt, bis es bewiesen war) bis hin zu Zeugenaussagen, wonach Geyer mit seiner Frau streitend in der Nähe des Tatorts gesehen wurde bzw. alleine in der Nähe des späteren Fundorts der Leiche. Außerdem hatte er eine Bekannte um einen Lüge bzw. einen Meineid zu seinen Gunsten gebeten. Das Gesicht der Theologin und Pfarrfrau war regelrecht zertrümmert. Es wäre “nur” eine Familientragödie, wenn Pastor Klaus Geyer nicht ein bekennender Lutheraner gewesen wäre. So aber spielen auch Fragen nach der evangelisch-lutherischen Lehre über das “Böse” eine Rolle, die Pfarrer Geyer in Predigten zuvor öffentlich vertreten hatte.
Während nämlich die kirchlichen “Sektenbeauftragten” landauf landab religiöse Minderheiten verleumden, predigen die Pfarrer in Übereinstimmung mit Martin Luther ihren Gläubigen das “Sündige tapfer”. Und die evangelischen Religionslehrer unterrichten die Schüler auf Staatskosten in der totalitären lutherischen Zwei-Reiche-Lehre, wonach Staat und Kirche (die beiden “Reiche”) einander dienen sollen. Für die Religionsfreiheit des deutschen Grundgesetzes ist in der lutherischen Staatslehre kein Platz, und folglich werden unbequeme andere Gemeinschaften von der lutherischen Kirche auch bis heute bekämpft. Martin Luther leugnete zudem die Willensfreiheit des Menschen, eines der wesentlichen Persönlichkeitsmerkmale für einen Bürger in einer Demokratie. Und Luthers Nachfolger, die evangelisch-lutherischen Theologen, waten bis heute in seinem Sumpf. Dazu gehörte auch der Schwiegervater von Klaus Geyer, der bekannte deutsche Theologe Hans Joachim Iwand (1899-1960). Dabei erörtern lutherische Theologen z. B. in ihrer “Prädestinationslehre” die angeblich satanische Besessenheit aller derer, die nicht von ihrem Gott zum ewigen Heil vorherbestimmt seien. Diese dunklen Abgründe der kirchlichen Lehre blieben in der Öffentlichkeit solange unentdeckt, weil sie die Kirche bis jetzt erfolgreich auf die kleinen Gemeinschaften projizieren konnte, die sie bekämpft. Doch das Verhalten und das Schicksal von Pastor Klaus Geyer könnten mithelfen, um die realen Gefahren, die von diesem Glauben für Menschen und auch für unseren Staat ausgehen, zu erkennen.
Klaus Geyer bestreitet bis zuletzt seine Schuld und wählt in der Todesanzeige für seine Frau ein Bibelzitat, wo von einem “grausamen” Gott die Rede ist. “Du hast dich mir verwandelt in einen Grausamen” heißt es in Hiob 30, 21. Vom “grausamen” Gott oder von dessen “unergründlichen Geheimnissen” sprechen die protestantischen Theologen auch deshalb, weil sie so von ihren eigenen Vergehen und dem Versagen ihrer Kirche ablenken können. Und auf diese Weise macht auch Pastor Geyer - unabhängig von der Schuldfrage am gewaltsamen Tod seiner Frau - auf seinen lutherischen Glauben aufmerksam. |