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Papst kämpft gegen sein Image als harter Hund
Date Author admin
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Als "Gottes Rottweiler" schmähten die US-Medien einst Josef Ratzinger, und noch immer ist sein Image nicht das beste. Nicht nur seinen eigenen Ruf wird Papst Benedikt XVI. mit seiner USA-Reise aufpolieren wollen. Missbrauchsskandale haben auch das Ansehen der katholischen Kirche ramponiert.


Wenn am Dienstag, Stunden vor dem 81. Geburtstag Benedikt des XVI., die Papstmaschine in Washington landet, wird Amerika nicht in entzückter Vorfreude alle anderen Geschäfte liegen lassen. Benedikt ist nicht nur „nicht gut bekannt, man kennt ihn schlecht“. So offen beschreibt der päpstliche Nuntius in den USA, Erzbischof Pietro Sambi, das Imageproblem und sein relatives PR-Versagen. Der Papst gelte nach drei Jahren noch immer als „harter, fast inhumaner Mann“. Nun könnten die Amerikaner endlich Benedikts vollständige Reden hören, nicht nur Auszüge, und ihren Irrtum erkennen. Denn, so Sambi, der Papst sei „kein Mann des Blabla; er ist ein Denker, er denkt, bevor er spricht. Und er betet viel.“ 



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Sechs Tage lang wird Benedikt XVI. in Washington und New York sprechen und beten. Und versuchen, skeptischen Protestanten Respekt abzunötigen und 67 Millionen Katholiken hinzureißen. Zwei Messen mit je 50.000 Gläubigen, die erste am 17. April im neuen Baseballstadion der Washingtoner Nationals, die zweite am Sonntag im alten Stadion der New York Yankees, wo 1965 Paul VI. den ersten Papstbesuch in den USA überhaupt zelebrierte.

Es heißt, Benedikt liebe die Vereinigten Staaten für ihre Frömmigkeit und ihre Modernität, die eben nicht wie in Europa in leeren Kirchen münde. Der Priester Ratzinger reiste ein halbes Dutzend Mal über den Atlantik; es gibt gute Erinnerungen. Und eine Anekdote über eine Autopanne 1984 im Midtown Tunnel zwischen Manhattan und Queens, als ein katholischer jordanischer (!) Mechaniker den Kardinal erkannte und das Gefährt auf der Stelle repararierte. Er kam rechtzeitig zu seinem Flug auf den Kennedy-Flughafen. Ratzinger stieg aus, kurz bevor der Wagen durch einen Auffahrunfall Schrot wurde.

Sein Image, wie es der Nuntius beklagt, stammt aus den Zeiten, da er die eiserne Rechte der Orthodoxie und des so beliebten Johannes Paul II war. „Gottes Rottweiler“ lautete ein Schmähname der US-Medien, der seinen deutschen Akzent mit dem Ruf des vatikanischen „bad guy“ verband. Johannes Paul II. kam 1979 zum ersten Mal in die USA und gewann die Herzen mit erlesenem Charme und Solidarnoc-Solidarität. Er galt als enger Verbündeter Ronald Reagans im Kalten Kulturkrieg. Heute kommt Benedikt als Kriegsgegner, der am Palmsonntag über den Petersplatz rief: „Genug des Gemetzels. Genug der Gewalt. Genug des Hasses im Irak."

Bush und der Papst werden einander höflich zuhören

Er wird seinem Gastgeber George W. Bush, was den Irak betrifft, nicht nach dem Munde reden. Ebenso wenig wird Benedikt das ökonomische Weltbild der Kirche verleugnen, das Amerikanern sonderbar sozialistisch anmuten kann. In Fragen wie der Verdammung gleichgeschlechtlicher Ehen und der Abtreibung, im Sinnen gegen „moralischen Relativismus“, dürften Bush und Benedikt einander nahe sein.

Beim Schutz gottgegebener Umwelt, bei der Bekämpfung menschengemachter Armut, aber auch beim Verhütungsverbot mögen die Herren einander höflich zuhören, ohne Zustimmung zu heucheln. Mancher der Rechten in Amerika vereinnahmte Benedikt nach seiner Regensburger Rede 2006 und dem aufflammenden Eklat in der muslimischen Welt als spirituellen Waffenbruder im „Krieg wider den Terror“. Der Theologie-Professor Joseph Alois Ratzinger war ihnen schon zu kompliziert gewesen. Papst Benedikt ist es erst recht.

Am Ende wird über den Erfolg des Besuchs nicht entscheiden, was Benedikt dem Präsidenten oder den vereinten Nationen sagt, welche Gebete er an Ground Zero findet, und welche Worte beim Treffen mit Rabbinern in einer New Yorker Synagoge - was zählen wird, ist, ob die drittgrößte katholische Gemeinschaft in der Welt sich getröstet, inspiriert, ermutigt findet. Sie hat Ermutigung nötig.

Die Kirche hat zu viele "Schläfer"

Es herrscht Mangel an jungen Männern, die Priester werden wollen. Es mangelt den Diözesen an Geld, um die katholischen Schulen in den Städten zu schützen, die zu Dreivierteln von protestantischen Kindern besucht werden. Erzbischof Donald Wuerl in Washington, mit einem Defizit von 50 Millionen Dollar ringend, muss dieser Tage sieben Schulen aufgeben und in die öffentliche Hand geben. Benedikt soll zum ersten Mal in 20 Jahren zur katholischen Erziehung in Amerika sprechen. Meinen wird der Papst, so wird erwartet, eher feine, elitäre Anstalten wie das Thomas Aquinas College im kalifornischen Santa Paula oder das Ave Maria College in Florida, die von wenigen hundert Ausgewählten besucht werden.

Es fehlt der katholischen Kirche in den USA aber nicht nur an Kollekte und Priesternachwuchs, es laufen ihr die Gläubigen weg wie keiner anderen großen Religionsgemeinschaft. Von den Amerikanern, die in katholische Familien geboren werden, bleiben nur 68 Prozent der Kirche treu (verglichen mit 76 Prozent der Juden und 80 Prozent bei Protestanten). Jeder zehnte Protestant in Amerika wurde katholisch erzogen, fand aber nie zu einem „reifen“ Verhältnis zur Kirche. Abwiegler halten dagegen, dass seit 1965 die Kirche um 20 Millionen Mitglieder gewachsen sei. Aber eben um zu viele „Schläfer“.

Auch Verweise darauf, dass der Anteil an der Bevölkerung seit Jahrzehnten stabil bei knapp einem Viertel liegt, führen in die Irre. Die statistische Stabilität ist allein dem Zustrom von Latinos aus Mexiko und Mittelamerika geschuldet. Sie sind treue Kirchgänger, aber mehr als die Hälfte von ihnen zählt auch, wie einst die katholischen Pioniere aus Irland und Polen, zu den ärmsten der Armen. Sie geben ihren Glauben, Geld haben sie nicht. Das bräuchten die meisten selbst. Die Kirche gibt mehr als sie nimmt. Das ist christlich, und ruinös.

Lüsterne Priester, Laien und sogar Nonnen

Ruf und Finanzen der katholischen US-Kirche haben freilich vor allem lüsterne Priester, Laien, sogar Nonnen ruiniert, die Kinder in ihrer Obhut über Jahrzehnte, manchmal mit Duldung und Omertá der Hierarchie, sexuell missbrauchten. Die Ausmaße der Skandale, die 2002 in Boston erstmals aufloderten und bald das ganze katholische Land verheerten, sind schwindelerregend, die Details ekelhaft. Insgesamt sollen mehr als 5000 Priester und Angestellte katholischer Institutionen über 12.000 Kinder und Jugendliche missbraucht und vergewaltigt haben.

Allein die Erzdiözese Los Angeles zahlte Mitte Juli 2007 in einem vergleich 660 Millionen Dollar an 508 Opfer. Vier Jahre lang hatte die Kirche sich gerichtlich gewehrt, dann gab Kardinal Roger Mahoney auf, entschuldigte sich für „diese schreckliche Sünde und das Verbrechen“ und verlieh mit etwas unglücklicher Wortwahl („final resolution“) seiner Hoffnung Ausdruck, die Sache nun begraben zu dürfen. „Ich wünschte, Ihr Leben wäre wie ein Videoband“, sagte der Kardinal den Opfern, „ein Band, das zurückgespult werden könnte.“

Zwei Milliarden Dollar hat die katholische Kirche der USA bisher an Buß- und Schmerzensgeld für die elende Verführung von Messdienern durch ihre Hirten bezahlt. Von Jesuiten in Alaska bis nach Boston. Benedikt war bei einem Krisengipfel des schon schwer kranken Johannes Paul mit US-Kardinälen 2002 in Rom mit dem Skandal befasst – mit seiner Vertuschung, sagen seine Kritiker. Der Papst will sich (muss sich) während seines Besuchs mehrfach in Reden dazu äußern. Er wird Vergebung und Versöhnung erbitten. „Der Papst kommt, um zu inspirieren, zu stärken, zu lehren, nicht, um uns zu rügen“, sagt Erzbischof Donald Wuerl, „wenn er aus dem Jet steigt, werden wir Petrus sehen.“

Quelle: http://www.welt.de
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