Von Necla Kelek
Als ich im Januar 2005 mein Buch "Die fremde Braut" in Hamburg vorstellte und auf den durch den Islam legitimierten "Zwang zur Ehe" vor allem unter muslimischen Migranten hinwies, war es die Grünen-Abgeordnete und heutige Geschäftsführerin der Beratungsstelle IKB, Nebahat Güclü, die mich in der in Norddeutschland erscheinenden türkischen Zeitung "Post" der Übertreibung bezichtigte.
Sie sagte unter anderem: "In einer Gesellschaft voller Rassismus (sie meint die deutsche, Anmerkung der Autorin) zu behaupten, Ehrenmorde hätten mit der türkisch-islamischen Identität zu tun, ist fatal. Necla Kelek schildert die Muslime, als wären die gegen die westliche Gemeinschaft." Güclü meinte Gewalt gegen Frauen sei ein allgemeines gesellschaftliches Problem und ich würde das Thema nur aus einem Grund behandeln: "Sie hat eine Marktlücke entdeckt und will Geld rausschlagen." Heute redet sie ganz anders und tut so, als hätte sie bereits 2005 das Thema entdeckt, und tritt als Retterin der Zwangsverheirateten auf, wie das Abendblatt berichtete.
Man könnte über so viel Unverfrorenheit hinweggehen, wenn Güclü wenigstens im Fall der Mordsache Morsal O. nicht schon wieder behaupten würde, dass alles nichts mit dem Islam zu tun hätte, und gleich wieder der deutschen Gesellschaft die Mitverantwortung zuschiebt.
Das Motiv für den Mord ist ein durch die islamische Religion legitimierter Ehrbegriff, der in islamisch sozialisierten Familien und Gemeinschaften die Frauen zum Besitz der Männer der Familie macht. Der Kernsatz dieser traditionellen islamischen Stammesidee lautet: "Die Frau ist die Ehre des Mannes." Wenn Mädchen oder Frauen ihrem Vater, ihrem Mann oder Bruder keinen "Respekt", das heißt Gehorsam, entgegenbringen, fühlen die sich in ihrer "Ehre", ihrem Besitzstand, angegriffen. Sie verlieren unter den anderen Familien ihrer islamischen Community, an "Ansehen". Die "Ehre", das Gesicht, kann nur wiederhergestellt werden, wenn man die Frau wie im Koran geschildert bestraft.
Gewalt selbst wird durch den Koran legitimiert. Selbst die nicht unter antiislamischen Verdacht stehende türkische Regierung räumte auf einem Kongress über "Verbrechen im Namen der Ehre" ein, dass die im Osten der Türkei verübten Verbrechen an Frauen von Imamen durch "Fatwas", Rechtsgutachten, legitimiert wurden.
Oft geht ein Familienbeschluss voraus, oft ist es auch nur das Leiden der Ältesten, die die Jüngeren veranlassen, tätig zu werden. Ein Hadith, das sind die überlieferten Worte des Propheten Mohammed, erzählt Folgendes: Mohammed, der sich von der Dichterin Asma bint Marwan in seiner "Ehre" gekränkt fühlte, sagte nach einem Abendgebet "Wer befreit mich von meinen Gegnern?"
Ein Muslimbruder fühlte sich aufgefordert, sie noch in der gleichen Nacht beim Stillen ihrer Kinder zu ermorden. War dieser Ehrenmord ein Auftrag oder eine Einzeltat? Hatte er etwas mit dem Islam zu tun? Jeder gläubige Muslim ist durch die Scharia legitimiert, aus eigenem Entschluss zu handeln. "Gebietet, was recht ist, verbietet, was unrecht ist", heißt es im Koran. Darauf gründet sich die Kontrolle der Gesellschaft, die Selbstjustiz der Muslime, daraus nehmen die Terroristen ihre Legitimation.
Die Familie des Täters und des Opfers leben in Deutschland in den Vorstellungen einer islamisch geprägten Stammesgesellschaft. Wenn wir nicht klar formulieren, dass unsere deutsche Gesellschaft dies nicht akzeptiert, wenn wir nicht unsere Gesetze zum Schutz der Frauen und Kinder durchsetzen, sondern immer wieder auf Verständnis setzen, werden diese Väter und Brüder, Schwestern und Mütter weiter ihre Kinder zur Ehe zwingen, zum Gehorsam prügeln und wenn nötig umbringen. Politikerinnen wie Nebahat Güclü versuchen diese Migranten zu Mündeln ihrer Lobbypolitik zu machen, sie treten auf wie ihre Vormünder. Wir aber müssen diese Menschen als Bürger ernst nehmen, wir müssen von ihnen fordern, sich an die Gesetze zu halten, und endlich aufhören, den Islam zu relativieren und damit zu schützen und Täter wie Unmündige zu behandeln.
Die türkischstämmige Necla Kelek ist Soziologin, Islamkritikerin und Autorin.
Quelle: http://www.abendblatt.de |