Mehr Anfragen von Gläubigen ? prominente Kirchenvertreter fordern mehr Exorzisten
Von Sebastian Ramspeck
Zürich- Im Kampf gegen den Teufel rüstet die katholische Kirche auf. «Ich wünsche mir persönlich, dass das Bistum Chur einen Exorzisten einstellt», sagt Domherr Christoph Casetti von der Churer Bistumsleitung. Papst Benedikt XVI. hatte vergangene Woche angekündigt, weltweit mindestens 3000 zusätzliche Exorzisten zu berufen.
Das Interesse der Gläubigen wächst. «Die Anfragen haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt», sagt Jacques Le Moual, der dem dreiköpfigen Exorzistenteam des Bistums Lausanne?Genf?Freiburg angehört und die Teufelsaustreibungen im Raum Freiburg verantwortet.
Sein Kollege Luigi Griffa ? für die Kantone Waadt und Neuenburg zuständig ? erklärt: «Ich habe viel zu tun, bekomme ständig Anrufe aus der ganzen Schweiz.»
In den übrigen Schweizer Diözesen werden Teufelsaustreibungen bisher von bedarfsweise bestellten Priestern vollzogen. «Diesen Leuten mangelt es oft an Ausbildung», begründet Casetti den Wunsch nach eigenen, speziell geschulten Exorzisten.
Schweizer Ärzte warnen vor Scharlatanerie
Mediziner sind skeptisch gegenüber den kirchlichen Teufelsaustreibern: «Aus psychiatrischer Sicht grenzt das an Scharlatanerie», sagt Samuel Pfeifer, Chefarzt der psychiatrischen Klinik Sonnenhalde in Basel und Autor einer wissenschaftlichen Arbeit über das Thema Exorzismus. «Gefährlich wird es, wenn Patienten auf Therapie und Medikamente verzichten», warnt Pfeifer. Für ihn gehört Exorzismus bestenfalls ins Kapitel Alternativmedizin, «vergleichbar mit Schamanismus und Geistheilung».
Mit ihrer Offensive ist die Schweizer Kirche in guter Gesellschaft. 2004 tagte in Mexiko die erste internationale Exorzismus-Konferenz; ein Jahr später bot die päpstliche Universität Athenaeum Regina Apostolorum erstmals Exorzismus-Kurse an. In Polen soll auf Betreiben eines Priesters ein Exorzismus-Zentrum entstehen. Im deutschsprachigen Raum haben spektakuläre Exorzismus-Skandale, bei denen Menschen ums Leben kamen, den Tatendrang der Teufelsaustreiber gebremst. Als Folge der Erstarkung linientreuer Katholiken könnte diese Skepsis nun weichen.
Quelle: http://www.sonntagszeitung.ch
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