Teheran-Zürich, 11.7.08 (KAP) Ein vor drei Monaten zum Christentum konvertiertes iranisches Ehepaar - die 28-jährige Tina Rad und der 31-jährige Makan Arya - ist ins Visier der Behörden geraten. Dies berichtet die evangelikale Hilfsorganisation "Open doors". Das Paar erhalte anonyme Anrufe. Die Eheleute fürchteten um ihre Sicherheit, weil sie von Polizisten, Nachbarn und Familienangehörigen ständig beobachtet würden. Am 3. Juni waren die beiden von der Polizei in Teheran verhaftet und vier Tage festgehalten worden.
In den Verhören übten die Polizisten psychologischen Druck aus, es kam auch zu physischer Gewaltanwendung. Den Eheleuten wurde vorgehalten, sie würden gegen den Islam handeln und die nationale Sicherheit gefährden, weil sie im eigenen Haus regelmässig mit anderen Personen Bibelstunden abgehalten und an evangelikalen Gottesdiensten teilgenommen hatten. Falls das nicht aufhöre, werde man ihre vierjährige Tochter in eine islamische religiöse Erziehungseinrichtung geben. Eine Polizeibeamtin drohte Tina Rad mit einer Anklage wegen "Apostasie" (Abfall vom Glauben), sollte sie nicht "mit ihrem Jesus aufhören". Nach ihrer Freilassung auf Kaution fanden die Christen die Schaufenster ihres Textilgeschäfts eingeschlagen vor. Es gab Drohungen, sollten sie ihren islamischen Glauben nicht beweisen, müssten sie sich "täglich eine neue Fensterscheibe kaufen".
Das Ehepaar ist kein Einzelfall, heißt es in der Mitteilung von "Open doors". Der 52-jährige Mahmood Matin werde ebenfalls verdächtigt, vom Islam "abgefallen" zu sein, seit dem 15. Mai ist er eingekerkert. Mit ihm wurden 13 weitere Christen festgenommen. Sie wurden zwar freigelassen, aber die Behörden stellten sie unter Hausarrest und eröffneten ein Verfahren gegen sie. Die Liste von Iranern, die wegen ihrem Glauben unterdrückt oder verhaftet wurden, liesse sich nach Angaben von "Open doors" erweitern.
Von den 65 Millionen Einwohnern des Iran sind offiziell weit mehr als 90 Prozent Muslime. Rund 125.000 bis 150.000 armenische, syrische und lateinische Christen sowie schätzungsweise 250.000 evangelikale Konvertiten leben im Iran.
Dem iranischen Parlament liegt ein Gesetzentwurf vor, der die Todesstrafe für "Apostaten" (Konvertiten) zwingend machen würde. Muslime, die Christen wurden, werden gesellschaftlich ausgegrenzt. Sie finden kaum eine Arbeitsstelle oder verlieren ihren Arbeitsplatz, wenn bekannt wird, dass sie Christen (geworden) sind. Konvertiten mit eigenem Gewerbe mangelt es an Kundschaft. (Informationen: "Open doors", Tel. 0041/21/731.01.40).
Quelle: http://www.kathweb.at |