Angeklagter gesteht Tötung seiner Exfrau
Zum Prozessauftakt gesteht der 36-jährige angeklagte Iraker, er habe seine Exfrau direkt nach der Scheidung ermordet, da sie ihn "bis auf die Knochen verletzt" habe.
Zum Auftakt des Münchner Prozesses um den grausamen „Ehrenmord“ an einer 24 Jahre alten Irakerin hat deren Ex- Ehemann am Donnerstag das Verbrechen verteidigt. „Ich bereue nicht, dass ich sie getötet habe“, sagte der 36-jährige Iraker, „sie hat es verdient“.
Der Angeklagte gab zu, wenige Stunden nach der Ehescheidung vor knapp einem Jahr der Frau auf der Straße vor den Augen des damals fünfjährigen Sohnes ein Dutzend Messerstiche versetzt zu haben. Danach hat er laut An-klage das bereits lebensgefährlich verletzte Opfer „planmäßig“ mit Benzin übergossen und angezündet. Die 24-Jährige starb im Krankenhaus an Blutverlust und Verbrennungsschock. „Sie hat mich verraten“, sagte der Angeklagte.
Feststellung der besonderen Schuldschwere
Laut Anklage hat der 36-Jährige aus niedrigen Beweggründen heimtückisch und grausam getötet. Der Vorsitzende Richter gab bereits zu Verhandlungsbeginn den rechtlichen Hinweis, dass im Falle einer Verurteilung die Feststellung der besonderen Schuldschwere in Betracht komme. Zum Prozess ist der unter Vormundschaft des Jugendamtes stehende Sohn der Ermordeten als Nebenkläger zugelassen. Der jetzt Sechsjährige lebt bei einem Polizeibeamten des Opferschutzkom-missariats, der schon einmal den Sohn einer vom Ehemann getöteten Frau aufgenommen hat.
Nebenkläger in dem Verfahren sind auch die im Nordirak lebenden Eltern der 24-Jährigen. Sie gehören nach Angaben des Angeklagten demselben kurdischen Stamm an wie er. Die Ehe ist 2000 von den Familien des Paares arrangiert worden. Die beiden hatten sich vor der Heirat nach kurdischer Tradition nur „etwa 25 Minuten unterhalten“. Der Angeklagte bezahlte für seine Braut „Goldschmuck und die Reise nach Deutschland“, insgesamt nach seinen Worten über 30.000 Euro.
Sein Schwiegervater forderte ihn zum Mord auf
Seine Frau hat dem 36-Jährigen nach dessen Schilderung ins Gesicht gesagt, sie habe ihn nur geheiratet, um nach Europa zu kommen. Sie habe auch öfters geäußert, er sei „hässlich“. Im September 2005 soll sie ihn nach Angaben des Angeklagten fälschlicherweise wegen Vergewaltigung angezeigt und ein Kontaktverbot erwirkt haben. „Sie hat mich auf die Straße geworfen, ich habe monatelang in meinem Fahrzeug geschlafen“, klagte der 36-Jährige. Deshalb habe er seinen Job als Küchenhelfer aufgeben müssen.
Seine Frau habe ihn in den knapp 14 Monaten vor der Tat nicht zu seinem Sohn gelassen. „Sie hat mir wehgetan bis auf die Knochen, sie hat die Fenster meines Lebens zugemacht“, ließ der Angeklagte übersetzen, der auch nach zehnjährigem Aufenthalt in Deutschland die Sprache nicht beherrscht. Jeder in seiner Lage „hätte es genauso gemacht wie ich“, glaubt der 36-Jährige. Sein Schwiegervater habe ihn aufgefordert, seine Tochter zu töten, „sonst bringe er mich um“. Gegen den Angeklagten wird voraussichtlich an fünf Tagen verhandelt.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/420/136152/
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