Heftige Kontroverse bei Treffen der katholischen Pfadfinder Europas
Quelle: Münchner Merkur vom 15. Februar 1995
Aus "Münchner Merkur" Nr. 38/7 vom 15. Februar 1995
Zu einer heftigen Auseinandersetzung um die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) ist es am Montagabend in Icking (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) vor 250 Zuhörern gekommen. Ursprünglich als Werbeveranstaltung und normaler Elternabend für die von der katholischen Kirche nicht anerkannte Gruppe gedacht, entwickelte sich vor aufgeheizter Kulisse eine scharfe Kontroverse zwischen KPE-Vertretern und Mitarbeitern des Erzbischöflichen Jugendamtes in München. Zwei Dutzend Scouts der beiden Ickinger KPE-„Meuten" verbreiteten „eitel Sonnenschein".
Während KPE-Bundeskurat Pater Andreas 'Hönisch Werbung für „eine normale katholische Erziehung" in der KPE betreiben wollte und ein Diavortrag fröhliche Kinder beim Bogenschießen im Sommerlager zeigte, wies Peter Nick (Grundsatzreferent des Erzbischöflichen Jugendamtes) auf die Nähe des KPE zum von weiten Teilen der Kirche abgelehnten Engelwerk hin.
Hönisch, der die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Buben schädlich nannte („Bei der Koedukation kommt kein richtiges Mädchen, keine richtige Frau heraus“)
Da würden Dinge vertreten, die mit katholischem Glauben nichts zu tun hätten. Wer die KPE kritisiere sei gegen den Papst behauptete Hönisch. Kritiker der KPE seien demnach nicht mehr katholisch. Unterstützung fand die KPE beim Jachenauer CSU-Kreisrat Lorenz Reiser, der unter tosendem Beifall betonte:
„Wenn es die KPE nicht schon gäbe, müsste sie sofort gegründet werden."
Indes stellte das Erzbischöfliche Jugendamt München gestern ausdrücklich klar:
„In der Erzdiözese München und Freising ist die KPE kein kirchlich anerkannter Jugendverband.“
Pater Hönisch habe für kirchliche Räume im Erzbistum keine Auftrittsgenehmigung, zudem müsse weiter von engen Verbindungen zu dem „umstrittener! sogenannten Engelwerk" ausgehen. "Die KPE werde von der Erzdiözese weder unterstütz noch empfohlen".
„Die Vielschichtigkeit der Lebensverhältnisse Jugendlicher verbietet heute jeden moralischen Rigorismus und jede Abschottung durch Berührungsängste, wie sie in der KPE praktiziert werden", unterstrich Pfarrer Albert Bauernfeind, Leiter des Erzbischöflichen Jugendamtes. Doch sei die Katholische Pfadfinderschaft Europas bei aller Ernsthaftigkeit der Problematik schon wegen ihrer geringen Größe - 2500 Mitglieder in Deutschland ein Randphänomen: Die von den katholischen Jugendverbänden im Bund der Deutschen Katholischen Jugend getragene Jugendarbeit in den Pfarreien sei wesentlich vielschichtiger. |