Das Landgericht Augsburg hat ein Mitglied der Wankmiller-Gruppierung in Füssen zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung und 8.000 Euro Geldbuße verurteilt. Die Finanzbeauftragte des "Stammes der Likatier" gestand, insgesamt 1,3 Millionen Euro Anlagengelder gegen zehn Prozent Verzinsung entgegengenommen zu haben.
Außerdem soll die Frau insgesamt 418.000 Euro Darlehen an zwölf Personen vergeben haben. Für solche Bankgeschäfte hatte die 57-jährige keine Genehmigung. Im Prozess erklärte sie, ein Anwalt habe sie falsch beraten. Als strafmildernd rechnete ihr das Gericht den bedingten Vorsatz, das Geständnis sowie die Kooperation bei Abwicklung und Rückzahlung der Gelder an. Die vorbestrafte Frau verzichtete auf Revision.
Hochrangiger Aussteiger packt aus
Nach Angaben der "Füssener Initiative für Sektenaufklärung und Hilfe" (FISH), die bereits 17 ehemalige Mitglieder der Sekte betreut hat, ist nun erstmals ein hochrangiges Mitglied aus dem Führungskreis samt Frau und fünf Kindern ausgestiegen. Anlass dazu sei unter anderem eine "steigende Tendenz zu illegalen Handlungen" in der Gruppe gewesen, erklärt der aus Füssen geflüchtete Familienvater in einem Gedächtnisprotokoll, das er über seine Zeit an Wankmillers Seite angefertigt und dem FISH-Initiator Peter Wieland übergeben hat.
Der "Stamm der Likatier" ist eine spirituelle Gemeinschaft, die sich seit den 70er-Jahren um den Allgäuer Wolfgang Wankmiller geschart hat. In der Sekte gehörte der Aussteiger nach seiner Darstellung zu den "Schwurmenschen", die sich im Gegensatz zu den "Lebemenschen" in der Gruppe für Führungsaufgaben qualifiziert und ihren gesamten persönlichen Besitz an die Gemeinschaft abgetreten haben. Die "Schwurmenschen" sind nach Angaben von FISH-Sprecher Wieland allesamt selbstständig tätig. Sie seien für die Immobilien und die verschiedenen Unternehmen der Sekte zuständig, während die "Lebemenschen" als un- oder unterbezahlte Arbeitskräfte ausgebeutet würden. Schon beim Einstieg in den Kreis würden Neulinge einem starken sozialen Druck ausgesetzt, berichtet der Aussteiger.
Immobilien- und Firmenbesitz
Dem "Stamm" von Wolfgang Wankmiller, der in den 70er-Jahren zusammen mit treuen Anhängern Parteien und Vereine in Füssen zu unterwandern versuchte, ehe er sich mit seinem Gefolge aus der Öffentlichkeit zurückzog, gehören nach Angaben Wielands allein in Füssen 29 Häuser. Insgesamt seien es 40 Immobilien, darunter ein Reformhaus in Garmisch-Partenkirchen und das ehemalige österreichische Zollgebäude am Grenzübergang Füssen-Reutte, das von einem Großteil der Gruppe als "Grenzburg" bewohnt wird. Mit Wohnsitz in Österreich sind die Kinder vom Pflichtbesuch einer Schule befreit und dürfen von Hauslehrern unterrichtet werden, sofern sie einen nachprüfbaren Leistungsstand erreichen.
Um die Unterkünfte für die rund 300 Sektenmitglieder zu finanzieren, betreiben die "Schwurmenschen" um Guru Wankmiller nach Angaben eines Aussteigers zahlreiche Unternehmen. Einige Jahre lang seien Einkünfte durch die Veranstaltung von Esoterik-Messen in Deutschland und Österreich geflossen. Inzwischen handle der Clan im Internet mit Büchern und Ayurveda, arbeitet für namhafte deutsche Unternehmen als PR-Berater, betreibt eine Heilpraktikerschule, bietet die Optimierung von Produktionsanlagen an und verlegt Bücher. Eine Ärztin und zwei Rechtsanwältinnen in den eigenen Reihen hätten die Sekte auf medizinischem und juristischem Gebiet zu Selbstversorgern gemacht. Nach Angaben des Aussteigers erhofft sich die Sekte zur Zeit von einem neu entwickelten Computerspiel satte Gewinne.
Quelle: http://www.br-online.de
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